Archiv Melsungen
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Die Kirche zu Röhrenfurth Teil 3

Etwas mehr als 100 Jahre genügte die „neue" Kirche den Ansprüchen, dann war auch sie zu klein geworden, denn Röhrenfurth hatte inzwischen rd. 525 Einwohner.

In 1894, am 25. Mai, wurden die Arbeiten für einen Ausbau der Kirche für insgesamt 4437 Mark vergeben. Den Zuschlag für die Zimmerarbeiten, die den größten Betrag ausmachten, bekam der Röhrenfurther Zimmermeister Holzhausen.
Die Kirche erhielt die Seitenemporen und eine neue erhöhte Kanzel, von der der Pfarrer auch die Emporen überblicken konnte; die Orgelempore war bereits vorhanden. Auch tauschte man den bisherigen Altarstein gegen einen größeren Altar aus Eichenholz aus. Dieser Altar und die ebenfalls eingebauten neuen Bänke wurden erst nach dem Aus- und Erweiterungsbau im Jahre 1974 ersetzt. Wie bereits erwähnt war Röhrenfurth zunächst nach Melsungen "eingepfarrt" (etwa bis zum Jahre 1600) und dann nach Schwarzenberg, das ja auch "Mutterkirche" für Röhrenfurth war. Dadurch mußten die Röhrenfurther etwa zwei Drittel der an der Schwarzenberger Kirche anfallenden Kosten übernehmen, z. B. die eines Glockengusses im Jahre 1866 durch die Gebr. Ulrich aus Apolda (Thür). Diese Glocke trug die Inschrift: "Gemeinde Schwarzenberg: Bürgermeister Böddiger, Gemeinderäte Hofmann und Riedemann. Gemeinde Röhrenfurth: Bürgermeister Aschenbrenner, Gemeinderäte Landgrebe und Proll." Im Jahre 1917 mußte sie für „Kriegszwecke" abgeliefert werden. Diese „Kostenteilung" gab aus verständlichen Gründen häufigen Anlaß zu unliebsamen Auseinandersetzungen, zumal ja Röhrenfurth auch seine eigene Kirche unterhalten mußte.

Erst mit "Umpfarrungsdecret" vom 13. März 1879 des Königl. Consistoriums in Cassel wurde Röhrenfurth von Schwarzenberg zur zweiten Pfarrei Melsungen "umgepfarrt". Röhrenfurth hatte dafür eine Abfindungssumme von 533 Mark und 67 Pfennig an die Gemeinde Schwarzenberg zu zahlen und war von da ab "aus ihrem seitherigen Nexus mit Schwarzenberg" ausgeschieden. Die Zahlung der Abfindungssumme schloß auch die Beteiligung an den Kosten für die bauliche Unterhaltung der Melsunger Kirche und der Wohnung des "dasigen" ersten Pfarrers aus. Dafür war der jeweilige zweite Pfarrer verpflichtet, alle 14 Tage in Röhrenfurth ohne besondere Vergütung Gottesdienst zu halten.

Aus der Zeit vor und nach der Jahrhundertwende sollte noch die Stiftung von drei Abendmahlskelchen, die noch heute benutzt werden, Erwähnung finden. Den ersten Kelch stifteten Johannes Borngrebe und seine Frau Anna Martha geb. Wollenhaupt im Jahre 1879, den zweiten Frau Martha Elisabeth Wiederecht im Jahre 1903 zum Gedenken an ihren früh verstorbenen Sohn Heinrich und den dritten Frau M. Wolf geb. Jahn im Jahre 1906 als Dank für ihre Genesung von schwerer Krankheit. Für die Stifter waren es echte Opfer, denn ein solcher Kelch kostete etwa das 100fache des Stundenlohnes eines damaligen Arbeiters.

Im Jahre 1922 erfolgte die Trennung des Kirchenvermögens vom Schulvermögen - beides war gemeinsam von der Kirche verwaltet worden. Die Kirche erhielt 30,55 ar Ackerland und 20,67 ar Wiese sowie die Hälfte (485,50 Mark) des gemeinsamen Barvermögens.

In 1923 wurde die Orgel repariert. Der Orgelbauer forderte -und erhielt auch- Naturalien statt der wertlosen Mark.
Gegen Ende des Zweiten Weltkrieges mußte die im Jahr 1815 erworbene "große" Glocke abgeliefert werden.

1947 fanden die ersten Kirchenvorstandswahlen statt. Gewählt wurden: Wilhelm Bernhard, Konrad Bettenhausen, Adam Schneider, Konrad Kilian, Otto Tippmann und Heinrich Seiler.

1952 wird der Innenraum der Kirche renoviert, Wände und Decke frisch getüncht, die Emporen und die Kanzel erhalten einen neuen Anstrich, der vom Kirchenmaler Diederich aus Melsungen sehr geschmackvoll ausgeführt wird.
Glaser- und Schreinerarbeiten kommen hinzu. Auch die Orgel wird für 1080 DM überholt.

1959 finden wieder Kirchenvorstands wählen statt: Heinrich Nadler, Adam Schneider, Willi Schröder, Elise Fehr, Justus Jäger und Reinhold Prack sind die Mitglieder.

Das Jahr 1956 bringt für unsere Kirchengemeinde eine schon lange gewünschte Änderung. Mit Wirkung vom 1. Oktober 1956 bilden die Gemeinden Röhrenfurth und Schwarzenberg eine eigene Pfarrei mit Dienstsitz in Röhrenfurth. Erster Seelsorger wird Pfarrer Schurian, er bleibt allerdings nur ein Jahr. Danach war die neue Pfarrstelle mehr als ein halbes Jahr vakant, bis am 1.9. 1957 Pfarrer Hermann Drüner, der aus der Rhön kam, die Stelle übernahm. Er war 12 Jahre in Röhrenfurth tätig. Danach wurden die Gemeinden ab November 1969 wieder von den Melsunger Pfarrern versorgt. Ab 1. Juli 1971 beschloß die Landeskirche, Röhrenfurth und Schwarzenberg wieder mit der Kirchengemeinde Melsungen pfarramtlich zu verbinden. Die Gemeinden wurden zu der gerade neu errichteten vierten Pfarrstelle zugezogen. Ihre Betreuung übernahm Pfarrer Schuchhard. Diese Regelung galt bis Ende Februar 1980.

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