Archiv Melsungen
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Die Kirche zu Röhrenfurth Teil 1

Wann die Bewohner der Siedlung in der Nähe der Fulda-Furt bzw. die Adelsherren de Rornefurt ein bescheidenes Kirchlein errichteten, ist urkundlich nicht belegbar. Bestimmt geschah dies schon sehr früh, denn in einem Lehensdörfchen des Stiftes Hersfeld, das Röhrenfurth ja war, durfte eine kleine Kapelle nicht fehlen. Bedeutsam oder auch nur im bescheidensten Maße wohlhabend ist diese Kapelle nie gewesen -noch Mitte des vorigen Jahrhunderts wurde unsere Kirche als arm bezeichnet-, denn die Herren von Röhrenfurth hatten zur benachbarten Melsunger Kirche wesentlich engere Bindungen. Sie waren dort Burgmannen und hatten auch in Melsungen ihren Burgsitz. So ist es auch zu erklären, daß die Landgrafen von Hessen und nicht die Herren von Röhrenfurth das Patronatsrecht der Röhrenfurther Kapelle ausübten und die Schwarzenberger Kirche über mehrere Jahrhunderte "Mutterkirche" der Röhrenfurther Kapelle war.

Einige verhältnismäßig frühe Jahreszahlen können jedoch genannt werden. So war der Melsunger Priester Reinher 1269 und auch 1284 Prediger in Schwarzenberg und damit auch in Röhrenfurth (genannt in einer Urkunde von 1269 des Klosters Eppenberg/Karthause). Um 1313 übte der Priester Rupert dieses Amt aus; auch aus dem 16. Jahrhundert sind die Namen einiger Priester und Pfarrer überliefert, die in Röhrenfurth und Schwarzenberg seelsorgerisch tätig waren. Die Röhrenfurther und Schwarzenberger Prediger kamen stets aus Melsungen.

Wie oft unsere Dorfkirche im Laufe der Jahrhunderte umgebaut, ausgebaut oder neu errichtet wurde, ist nicht bekannt. Auch wann die Vorgängerin des heutigen Steinbaues entstand, entzieht sich unserer Kenntnis. Zeugen dieser Vergangenheit sind der Taufstein aus dem Jahre 1592 und die steinerne Inschrifttafel, die an der Stirnseite des Glockenturmes in Höhe des Portalsturzes ins Mauerwerk eingelassen ist. Der schlichte Taufstein ist aus einem Block Buntsandsteingehauen. Das sechseckige Taufbecken geht über in Säule und Fuß, ist etwas unsymetrisch geraten, wirkt aber doch harmonisch in seinen Proportionen. Bei Taufen wird heute ein schmiedeeiserner Halter aufgesetzt, der den Silberteller mit dem Taufwasser trägt. Die steinerne Inschrifttafel mit ihrem Text aus Maleachi II Vers 2 und IV Vers 2 mahnt die Pfarrer in ihrem derben Luther-Deutsch nicht im kirchlichen Eifer nachzulassen. Sie droht dem Säumigen, seinen Segen zu verfluchen, dem Eifrigen aber verspricht sie reichen Lohn. Diese Inschrifttafel zeitlich einzuordnen ist recht schwierig. Gewiß ist nur, daß sie aus der Kirche, die dem heutigen Bau vorausging, stammt, denn allein der Grad der Verwitterung des hellen Sandsteines, in den die Inschrift gemeißelt ist, läßt auf ein wesentlich höheres Alter als 1772 schließen. Die Reformation -Landgraf Philipp von Hessen trat 1524 zum neuen Glauben über- erfaßte auch unser Dorf mit all ihren Auswirkungen. „Von der Bevölkerung wurde die evangelische Lehre mit Freuden aufgenommen. Es entstand eine Bewegung von unten her,die von der niederen Geistlichkeit, vom Landadel, von der städtischen Bürgerschaft und vom Bauerntum getragen wurde" (Hederich, Kirchengeschichte Hessens). Die Holzfigur des bisherigen Schutzpatrons der Röhrenfurther Kirche, des Heiligen Oswalds, wurde Prozessionen nicht mehr vorausgetragen, auch riefen ihn die Bauern nicht mehr zu Beginn der Ernte an. Von älteren Röhrenfurthern wird die Holzfigur, die in der Mitte der zwanziger Jahre dem damaligen Museum Fridericianum in Kassel übereignet wurde und dort bis zum zweiten Weltkrieg stand, wie folgt beschrieben: Eine kleine, etwa 50 cm große Schnitzerei in einfacher Ausführung, mit bärtigem Gesicht, die Hände vor dem Leib gefaltet, schlicht und schmucklos. Auf der Rückseite eine Bohrung, um die Figur auf einen Stab stecken zu können. So stand sie am Fuße der Kanzel. Bereits zweimal zuvor hatte das Presbyterium (Kirchenvorstand) beschlossen, die „ramponierte Oswaldfigur" an das Museum zu verkaufen. „Unser" Heiliger Oswald ist heute nicht mehr vorhanden, er ist vermutlich ein Opfer des Bombenangriffs auf Kassel geworden. In der Legende vom „Oswaldgroschen", von der an anderer Stelle zu lesen ist, bleibt aber die Erinnerung an ihn lebendig.

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